Ein offener Brief an die wundervollsten Eltern der Welt und vor allem an meine Mama

Mama, ich danke Dir von Herzen für meine gesamte Kindheit. Nichts davon war und ist selbstverständlich. Das weiss ich heute…
Ich musste nie weinen, Du warst immer für mich da, ich durfte so lange in Eurem Bett schlafen bis ich freiwillig in mein Zimmer zog und auch dann gab es immer ein Wiederkommen.
Ich musste Dich nie anlügen, konnte bei den verrücktesten Dingen, die wir als Kinder anstellten, immer zu Dir kommen und war mir bewusst, dass Du eine Lösung finden würdest.
 
Erinnerst Du Dich, als Nana und ich im Dunkeln bei den Nachbarn durch die Gärten gezogen sind, um alle heimlich zu beobachten? Und dass wir dabei einen mannshohen Gartenzaun zerstört haben?
Ich stand leider schon IM Garten, während die anderen noch schnell flüchten konnten. Du wurdest angerufen wir mussten den Zaun bezahlen - Du hast mit uns darüber gelacht und ich hatte nicht eine Sekunde Angst davor, wie Du wohl reagieren würdest. Sicherlich hast Du mir mitgegeben, dass das so nicht in Ordnung war - aber Du hast nicht so geschimpft, wie andere Eltern das vermutlich getan hätten.
Ich musste nie aufessen oder wurde in mein Zimmer geschickt. Es gab keine Strafen und ganz sicherlich keine körperliche Gewalt - auch keine verbale!
Ich war keine perfekte Schülerin, die immer Einsen mit nach Hause brachte. Du hast Dich gemeinsam mit mir auch über eine gute 4 gefreut - weil Du wusstest, dass es nicht an mir lag - und mir nie zu verstehen gegeben, dass ich nicht okay bin, wie ich bin!
Du hast mich mit zu allen Partys genommen und ich hatte nie das Gefühl, dass Du mich lieber bei jemandem untergebracht hättest, um allein dort hinzugehen. 
Ich durfte mit vier Jahren schon mit zu Crosby, Stills and Nash und kann mich tatsächlich noch an einige Momente dort erinnern.
In der Zeit, als Du Dein Abitur in der Abendschule nachgeholt hast, bin ich oft dabei gewesen und habe gute Erinnerungen an das Lehrerzimmer und den magnetischen Stundenplan, den ich dann später nach Farben sortiert habe - auch da wurde nicht geschimpft. Du hast mich auf alle Klassenfahrten nach Frankreich und Spanien mitgenommen. Ich danke Dir noch heute dafür!
Zu Bruce Springsteen mit 12 in Frankfurt und auch zu Madonna mit Nana in der Ente - Du warst leider nicht dabei aber Andreas ist extra mit uns dort gewesen, weil Du hochschwanger mit meinem verrückten Bruder warst.
Ich durfte mit 14 Jahren allein mit Nana und einer Bustour nach Paris fahren - ich weiss bis heute nicht, wie Du so gelassen bleiben konntest und wir einfach wir sein durften.
 
Unsere Tür stand all meinen Freunden offen. Wie oft bin ich nach Hause gekommen und es saß schon jemand dort bei Dir und bekam eine französische Zwiebelsuppe oder einen Nusskuchen?
Wir haben so viel gelacht zu Hause, haben Loriot geschaut und Louis de Funes - erinnerst Du Dich an die außerirdischen Kohlköpfe und wie wir alle dort saßen und wie verrückt in dieser Sprache kommuniziert haben?
 
Ich habe damals kurz vor dem Ende mein Lehramtsstudium abgebrochen, um doch Architektin zu werden. Hier hätten die meisten Eltern keinerlei Verständnis gezeigt. Dir war aber immer nur wichtig, dass ich glücklich bin!
 
Und das ist es bis heute… Ich danke Dir für mein Leben, dafür dass Du mich in allem unterstützt hast, dass Du immer die wundervollste Mama der Welt für mich warst. Dafür, dass ich heute weiss, dass das nicht selbstverständlich ist!
 
Ich habe Dich unendlich lieb und Du bist neben meinen Kindern der wichtigste Mensch der Welt für mich!
 
DANKE
 
Deine Kicka